2.4.4 Feedback

2.4.4.1 Das Rückmeldegespräch: Unterrichtsberatung

Verlauf eines Rückmeldegesprächs

  • Situation entkrampfen (small talk)
  • evtl. (bereits im Vorfeld) Gesprächskontrakt besprechen  


Vorüberlegung

  • An welchem Punkt der Ausbildung steht der Referendar?
  • Welche Fortschritte hat er gemacht?
  • Welche Gesichtspunkte aus früheren Gesprächen müssen noch einmal aufgegriffen werden?  


Abgleich der Wahrnehmung von Betreuungslehrkraft und  Referendar/in

  • nicht sofort Alternativen einbringen
  • den Referendar bei seinem Denkweg begleiten (förderlich/hinderlich für den Lernprozess?)
  • Referendar nicht in eine Verteidigungshaltung drängen  


Fehleranalyse

  • Schwächen schon in der Unterrichtsplanung angelegt?
  • fehlendes Fachwissen?
  • (spontane)Verhaltensweisen des Referendars?
  • an seiner Persönlichkeit?
  • Fehler präzise, aber mit Fingerspitzengefühl benennen.
  • Schwerpunkt nicht: „Was haben Sie falsch gemacht?“ sondern: Alternativen entwickeln lassen, positiv verstärken  


Zusammenfassung am Schluss

  • Positive und negative Aspekte gewichten
  • evtl. schriftlich fixieren (Beibehalten, Verändern...)
  • evtl. nächste Besprechung planen


Möglicher Abschluss
kurze Reflexion des Referendars über das Gespräch (hilfreich?)  

 

2.4.4.2 Rückmeldegespräch mit negativem Inhalt

ACHT SCHRITTE

1. Vorbereitung und Klärung des emotionalen Zustandes
Sachliche Auseinandersetzung: Worum geht es mir? Was ist mein Ziel? Psychohygiene: Emo­tionaler Spannungsabbau vor dem Gespräch - „Dampf ablassen“!

2. Kontaktaufnahme mit dem Gesprächspartner
Sachliche Einladung zum Gespräch. Beispiel: „Da gibt es eine wichtige Angelegenheit, die ich mit Ihnen gerne besprechen möchte...“; Vereinbarung: Zeit/Ort

3. Strukturiertes Feedback - das „geWIEVte" Feedback

  • Wahrnehmung/Beobachtung eines störenden Verhaltens in einer konkreten Situation Die Fakten werden nur beschrieben, es erfolgt keine Wertung.
  • Interpretation/Deutung des beschriebenen Verhaltens. kognitive Ebene, vermutete Motive
  • Empfindungen/Gefühle, die dadurch ausgelöst worden sind, mitteilen emotionale Ebene
  • Verhaltensweisen, die erwartet werden, und eigene Wünsche äußern; dabei alles kurz und knapp formulieren, keine Diskussion
     

4. Dem Gesprächspartner den „Ball übergeben"
Am Ende des Feedbacks erfolgt eine Frage als Anstoß: „Wie sehen Sie die Situation?“ oder „Wie geht es Ihnen damit? Wie denken Sie dazu?“

5. Einfühlendes Verstehen durch aktives Zuhören
Hineinversetzen in die Wirklichkeit des Gesprächspartners: verbalisieren und paraphrasie­ren

6. Zwischenbilanz
Gemeinsam wird geklärt: Worüber sind wir uns einig und was wird akzeptiert? Wo gibt es noch unterschiedliche Auffassungen? Welche Kompromisse sind möglich? Wie geht es weiter? Was ist der nächste Schritt?

7. Verhandlung
Strittige Punkte werden sukzessive verhandelt. Gibt es ein gemeinsames Ziel?

8. Vereinbarungen
Suche nach Ideen und möglichen Wegen. Konkrete Vereinbarungen werden getroffen.  

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Regeln für das „geWIEVte Feedback“

1. Das Feedback geht direkt an die Handelnden und nicht über Dritte!

2. Das Feedback erfolgt im Ich-Stil: Ich-Aussagen sind persönlicher, greifen weniger an und ha­ben positivere Auswirkungen auf die Empfänger als „Du-“ oder „man - Botschaften“

3. Ein Feedback kann sich nur auf Veränderbares beziehen. Nur wenn der Empfänger auch et­was verändern kann oder will, ist das Feedback Erfolg versprechend.       



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