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„Willkommensgruppen“ an der Therese-Giehse-Realschule in Unterschleißheim

Das Kultusministerium warb Ende März bei vielen Schulen dafür, sogenannte „Willkommensgruppen“ zu bilden. Denn die ukrainischen Jugendlichen, die dem Krieg entflohen sind, sollten hier bei uns eine Chance auf normale Strukturen, auf Beschulung und auf Eingliederung erhalten. Die Therese-Giehse-Realschule zögerte nicht lange und sagte dem Kultusministerium dafür zu. Entsprechend startete dieses „Projekt“ direkt nach den Osterferien und ist vorerst bis zu den Sommerferien befristet.

Da die Flüchtlinge häufig noch keinen festen Standort haben bzw. immer wieder umziehen, weil sie ihren momentanen Platz aufgeben müssen, ist eine Zuweisung der ukrainischen Schüler*innen auf bestimmte Schulen via Kultusministerium rein logistisch nicht möglich. So kamen über Mundpropaganda am Montag in der letzten Aprilwoche vier Schüler*innen zu uns an die Schule. Innerhalb einer Woche wuchs die Zahl der Kinder auf 9 Personen an. Und aktuell befinden sich 16 Kinder und Jugendliche an der TGRS. Unsere neuen Schüler*innen stammen derzeit aus Kiew und Charkiv und sind im Alter zwischen 11 und 15 Jahren.

Unterrichtet bzw. „aufgefangen“ werden sie von fünf Personen: von einer Sozialpädagogin der Schule, Frau Lisa Pfaehler, die mit den Kindern Deutschsprachförderung durchführt, von einer Studentin, die seit ihrem 12. Lebensjahr in Deutschland lebt und ukrainisch sowie deutsch spricht, von einer Ukrainerin, die in ihrer Heimat Deutsch unterrichtete, von einer Lehrkraft für Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Frau Kirsten Ohlwein, und von einem jungen Mann, der als „Hilfskraft“ dazugekommen ist und ebenfalls beide Sprachen spricht.

Ziel ist es, den Jugendlichen aus der Ukraine Struktur zu bieten, erste Grundlagen der deutschen Sprache zu vermitteln, Sozialkontakte zu Gleichaltrigen herzustellen und Freude durch Spiele, gemeinsames Frühstücken und kleine Aktionen zu verbreiten.

Eine große Herausforderung ist hierbei, dass traumatisierte Jugendliche unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichem Bildungsstand in einer bzw. in zwei Gruppen unterrichtet werden. Zudem stellt die Sprachbarriere ein großes Hindernis dar. Die Kinder sprechen kein Deutsch, nur Vereinzelte können ein wenig Englisch.

Unsere Pädagog*innen meistern diese Herausforderung bestens. Durch die großzügige Spende der „Hubert-Beck-Stiftung“ von 1.000 Euro konnten sie einerseits Lehrbücher und Arbeitsmaterialien für das Erlernen und Üben der deutschen Sprache anschaffen. Andererseits konnten Bastelmaterialien gekauft werden, um den Erwerb der deutschen Sprache gestalterisch und haptisch zu unterstützen. Auch organisieren sie kleinere Ausflüge, z. B. Eisessen gehen, um in einer Praxissituation die deutsche Sprache direkt anzuwenden. Damit die Ukrainer*innen einen Einblick in unsere Kultur erhalten, bereiteten die Pädagog*innen unter anderem auch ein bayerisches Frühstück vor. Diese alltäglichen und praktischen Aktionen stellen gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Wortschatzerweiterung des Alltagsgeschehens dar.

Jedes der ukrainischen Kinder und Jugendlichen wurde gemäß seines Alters einer Klasse, seiner sogenannten „Stammklasse“ zugeordnet. So werden die wichtigen Sozialkontakte mit Gleichaltrigen ermöglicht. Die neuen Schüler*innen werden in einzelnen Unterrichtsstunden, vor allem in Nebenfächern wie Sport, Kunst, Musik usw., in ihre Stammklassen geschickt. Die Offenheit unserer Stammklassen ist erfreulich und ergreifend. Hierbei haben sich schon viele Bekanntschaften ergeben.

Auch schließen Ukrainer*innen und Deutsche in den Pausen viele Kontakte und erweitern sie zu Beziehungen. Die Willkommensgruppen halten sich in den Pausen vorwiegend im „Chillraum“ der offenen Ganztagsschule auf. Viele unserer Stammschüler*innen, die interessiert sind oder gar ihre Sprache sprechen, suchen den Chillraum auf, unterhalten sich mit unseren neuen Mitschüler*innen und tauschen sogar Nummern aus.

Es bleibt spannend, wie viele weitere Kinder und Jugendliche bis zum Ende des Schuljahres noch hinzukommen. Die Therese-Giehse-Realschule wird sich um jeden neuen Ankömmling bemühen und sein Bestes geben, um die Ukrainer*innen zu unterstützen.

Ideal wäre es, wenn ein paar Kinder im Herbst in unsere Regelklassen aufgenommen werden könnten. Dies wird sich zeigen.

 

Claudia Gaßner





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