Lernen sichtbar machen mit Feedback

Feedback wird in den beiden Metastudien von John Hattie und Robert Marzano als besonders wirksam hervorgehoben. Die Effektgrößen liegen dabei in der Größenordnung von 0,73 (Hattie), einige Feedbackvarianten, z.B. Peer-Feedback, erreichen sogar Effektgrößen von über 0,9 (Marzano).

Was ist Feedback?

Kurz gesagt, ist Feedback die Rückmeldung an eine Person auf ein gezeigtes Verhalten. Dies kann sowohl das soziale Verhalten einer Person betreffen als auch deren Fähigkeit, Aufgaben zu lösen.

Warum wirkt Feedback?

Durch Feedback erhält der Lernende Hinweise, in welche Richtungen er sich weiter entwickeln muss um ein gesetztes Ziel zu erreichen und wie er dazu seine Lernstrategien verändern muss. Darüber hinaus spricht Feedback die Gefühlsebene an. Durch positive Rückmeldungen über die erworbenen Fähigkeiten steigt auch das Selbstwertgefühl und die Selbstsicherheit des Lernenden. Aber nicht nur der Lernende erhält eine Rückmeldung über Feedback, sondern auch der Lehrende erfährt, wie wirksam seine pädagogischen und didaktischen Anstrengungen sind (s. Formatives Feedback mit Socrative; Exit-Tickets). Es hilft dem Lehrenden das Lernen sichtbar zu machen und es aus dem Blick des Schülers zu betrachten und so Konsequenzen für sein eigenes Handeln zu ziehen.

Wie sieht wirksames Feedback für Schüler aus?

Feedback ist nicht gleich Feedback: so gibt es gängige Feedbackformen, die zwar eine Rückmeldung darstellen, aber letztlich kaum hilfreich für den Lernenden sind, sein Verhalten auf die Erreichung der gesetzten Ziele auszurichten. Dazu gehören alle Formen von benoteten Tests (summatives Feedback), die zwar eine Info über den aktuellen Leistungsstand bieten, die reine Korrektur aber meistens wenig über die konkreten Stärken und Schwächen aussagt.
Auch Lehrerrückmeldungen, wie „pädagogisches Grunzen“ oder pauschales Lob („Das habt ihr gut gemacht“) erweist sich nicht als lernwirksam.

Lernwirksames Feedback wird in gestaltender Form gegeben (formatives Feedback) und es schließt die Lücke zwischen der Lernausgangslage und den angestrebten Zielen. Neben Korrektur und Kritik beinhaltet es vor allem Hinweise, wie der Lernende das angestrebte Ziel erreichen kann.

Dabei umfasst es die vier Ebenen

I. Aufgabe,
II. Lernprozess,
III.Selbstregulierung,
IV. Person

und es gibt Antworten auf drei grundlegende Fragen: 

1. Was ist das Ziel
2. Wie geht der Weg dorthin? Welche Fortschritte mache ich in Bezug auf das Ziel.
3. Was ist der nächste Schritt und welche Anstrengungen muss ich unternehmen, um einen besseren Fortschritt zu erzielen?

Ebene I: Feedback zur Aufgabe
Feedback in dieser Ebene ist in Unterrichtssituationen am gebräuchlichsten. Dabei erhält der Lernende konkrete Informationen, wie gut eine konkrete Aufgabe gelöst oder verstanden worden ist und was gegebenenfalls noch fehlerhaft ist.
Beispiel: „Deine Aufgabe war hier die Addition zweier Brüche: du solltest zunächst den Hauptnenner bilden, was dir auch gut gelungen ist. Beim anschließenden Erweitern hast du allerdings beim zweiten Zähler einen Fehler gemacht. Achte darauf beide Zähler zu erweitern."

Ebene II: Feedback zum Lernprozess
In dieser Ebene geht es darum, Lösungsstrategien zu entwickeln. Das Feedback trägt hier zum tieferen Lernen bei. Dabei findet man eine starke Wechselwirkung zwischen Feedback zur Aufgabe (Selbstvertrauen, Sicherheit im Lösen von Aufgaben) und dem Feedback zum Lernprozess.
Beispiel: „… Du solltest zwei Lösungswege vergleichen. Zum Beispiel kannst du dir überlegen, an welchen Stellen sich die beiden Lösungswege voneinander unterscheiden. Welcher führt schneller zum Ziel?"

Ebene III: Feedback zur Selbstregulierung
Mit dem Feedback zur Selbstregulierung sollen die Lernenden dazu angehalten werden, den eigenen Lernprozess kritisch zu überdenken und, gerade bei komplexeren Aufgabenstellungen, sie dazu motivieren, sich auch weiterhin mit der Aufgabe zu beschäftigen. Außerdem können Lernende, die ihr eigenes Lernverhalten kritisch reflektieren können, Feedback besser dazu nutzen um auf das gesetzte Ziel hin zu arbeiten.
Beispiel: „.. Du hast deine Antwort mit der Lösungskarte überprüft und festgestellt, dass sie fehlerhaft ist. Hast du eine Idee, wo genau dein Fehler liegt? Kennst du vielleicht noch eine andere Lösungsstrategie, die dich zur richtigen Lösung führt?"

Ebene IV: Feedback zur Person
Diese Form des Feedbacks ist landläufig unter dem Begriff „Lob“ bekannt: Das hast du gut gemacht! Du bist ein toller Schüler, weiter so!…. Das Problem ist, dass eine Rückmeldung in dieser Form sehr häufig inflationär gebraucht wird und dabei komplett von der eigentlichen Aufgabenstellung losgelöst ist. Wichtig ist also, dass ein Lob immer mit einem konkreten Feedback der Ebenen I - III verknüpft wird.

Zusammenfassung:
Nach Schröck lassen sich folgende Merkmale einer effizienten Rückmeldung zusammenfassen: Durch das Feedback soll die Aufmerksamkeit auf den eigenen Lernfortschritt und die Bearbeitungsprozess gelenkt werden. Dazu ist eine zeitnahe Rückmeldung nach der Aufgabenbearbeitung notwendig. Diese sollte aber sparsam und an die Lernbedürfnisse der Schüler sowie die jeweilige Aufgabe angepasst sein, sowie sich auf die wichtigsten Lernziele fokussieren. Wichtig ist, das die Bewertungskriterien, auf die sich das Feedback bezieht, dem Lernenden klar sind. Und: Feedback sollte regelmäßig allen Schülern zu Teil werden.

Quellen und weiterführende Links:

Hattie (2012): Visual Learning for Teachers
Schröck: Feedback als Wegweiser für schulischen Lernerfolg, (Vortrag bei MiB-Tutorentagung 2015 in Kaufering)
Deflorio: Wichtige Schritte für lernwirksames Feedback, http://www.deflorio.de
Petty (2009): Evidence Based Teaching
Petty: Feedback, http://geoffpetty.com/for-teachers/feedback-and-questions/

Christopher Oberle



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