Am 30.04.2026 besuchte Eberhard Schellenberger die Staatliche Realschule Buchloe, um für uns, die zehnten Klassen der Realschule Buchloe, einen überaus lebendigen Vortrag inklusive Lesung zu halten. Seine Erfahrungen als Journalist des bayerischen Rundfunks in Unterfranken standen hierbei im Mittelpunkt. Mit vielen Ton- und Filmdokumenten gab er einen sehr interessanten Einblick in seine Arbeit beim Bayerischen Rundfunk und seine Recherchen entlang der innerdeutschen Grenze. Der Titel seines Buches „Deckname Antenne“ hat viel mit seinem persönlichen Schicksal und den Methoden der Staatssicherheit der DDR (Stasi) zu tun, wie wir im Verlauf des Vortrags erfuhren
Bereits bei seiner ersten, privaten Reise in die DDR im Jahr 1984 geriet Schellenberger ins Visier der Stasi - aus einem simplen Grund - er war Journalist beim Bayrischen Rundfunk, also im kapitalistischen Ausland, wie die BRD im Stasi-Jargon genannt wurde. Eine der Stasiakten über ihn trug den Titel „Deckname Antenne“. Bis zum Mauerfall im Jahr 1989 wurden seine zahlreichen Besuche und journalistischen Reisen in die DDR beobachtet und bespitzelt. Er wurde abgehört und seine Kontakte zu DDR-Bürgern kontrolliert.
Die Berichte über seine Kontakte und Besuche las er in seiner 400 Seiten dicken Stasiakte, die er bei der Stasiunterlagenbehörde einsehen konnte, nach. Besonders intensiv wurden die Besuche Schellenbergers beobachtet, die im Zusammenhang mit der 1988 beginnenden Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und Suhl stattfanden. Abhörmaßnahmen im Hotel in Suhl, Observierungen, Briefkontrollen, Informationsbeschaffung durch IMs (inoffizielle Mitarbeiter) gehörten zum gängigen Werkzeugkasten der Stasi. Selbst Nichtigkeiten hielt man in den Akten fest.
Aber Herr Schellenberger war nicht verbittert, trotz der ein oder anderen menschlichen Enttäuschung durch DDR-Bürger, denen er vertraut hatte. Er erzählte auch von den netten privaten Begegnungen, Feiern bei Bekannten im Osten und Begegnungen auf der Straße. Menschen in Thüringen und in Reichweite des BR-Senders erkannten seine Stimme wieder und sagten ihm, wie dankbar sie für seine Berichte und Reportagen im Rundfunk seien.
Für uns war der Vortrag spannend, sehr gut vorbereitet und durch Originale aus dem Stasi-Archiv noch authentischer als eine normale Geschichtsstunde. Auch nach dem Vortrag haben wir im Geschichts- und PuG-Unterricht noch viel über die deutsch-deutsche Zeitreise mit Herrn Schellenberger gesprochen. Besonders sympathisch war uns, wie emotional er auch nach 37 Jahren auf ein Video zum Mauerfall reagierte. Zum Schluss gab er uns noch mit auf den Weg, dass Freiheit und Frieden nicht selbstverständlich sind und man sich dafür engagieren muss.
Text: Marie Konnerth, 10d
Fotos: Realschule Buchloe
Bilder:
Bernhard Schellenberger in seinem Element – Vortrag vor den 10. Klassen der Realschule Buchloe
Widmung in seinem Buch “Deckname Antenne” für die Schülerbücherei
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