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Workshop zum Thema Flucht an der Achental-Realschule

Schülerinnen und Schüler der Klasse 6 c der Achental-Realschule führten am 12. Oktober 2015 gemeinsam mit den Herren Thomas Knoll und Karl-Martin Klein von CARE Deutschland-Luxemburg und ihrem Erdkundelehrer Herrn Thomas Winkler einen sehr informativen Workshop zum hochaktuellen Thema Flucht durch.

Die Klasse beschäftigte sich zunächst mit der Frage, warum Menschen eigentlich flüchten. Sie fanden folgende Push-Faktoren: Oft ist der Grund der Krieg, die Benachteiligung oder Verfolgung ethnischer Gruppen, die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit, politische Verfolgung, Verfolgung wegen der sexuellen Orientierung oder die Folgen des Klimawandels.

Zwei Gruppen erarbeiteten anschließend auf je einem großen Plakat, was sie auf die Flucht mitnehmen würden (Geld, Handy, Wasser, Taschenlampe…). Sie notierten diese Dinge, indem sie sie in einen gemalten Rucksack schrieben. Dann präsentierten sie die Ergebnisse der ganzen Klasse. Zwei weitere Gruppen versuchten zusammenzustellen, wie das Land denn sein müsste, in das man flieht. Dabei spielten die Sicherheit, die Achtung der Menschenrechte und die Freiheit die entscheidenden Kriterien für ein Zielland. Allerdings wurde auch schnell klar, dass diese sogenannten Pull-Faktoren nicht die entscheidende Rolle spielen: Die Flüchtlinge wollen zunächst ihre Familie und sich selbst retten, sie wollen erst einmal nur weg und erst später stellen sie die Frage wohin.

Herr Knoll erzählte sehr anschaulich von seiner Zeit als Entwicklungshelfer in Agadez in Niger und zeigte Bilder von Flüchtlingen auf dem Weg durch die Sahara, die er selbst aufgenommen hatte. Er berichtete von Flüchtlingen, die 3 - 5 Jahre auf der Flucht sind.

Diskutiert wurden auch die Erfahrungen der Schüler mit Flüchtlingen im Landkreis Traunstein. Es ergaben sich viele Fragen, wie z.B.: „Warum sind so viele junge Männer als Flüchtlinge unterwegs?“ Oft hat die ganze Großfamilie Geld zusammen gelegt, damit sich der kräftigste und belastbarste Mann nach Europa durchschlagen kann. Schleuser verlangen allein für die Überfahrt von Libyen nach Lampedusa in Italien etwa 7.000 € pro Person! Die jungen Männer stehen unter einem enormen Druck. Sie müssen die Flucht schaffen, sie müssen erfolgreich ein neues Leben im Zielland aufbauen, damit sie ihre Familie entweder nachholen oder doch wenigstens finanziell unterstützen können. Flüchtlinge überweisen weltweit 50% mehr Geld in ihre Herkunftsländer als die entwickelten Länder als Entwicklungshilfe geben!

Ein spannendes Quiz lockerte den aufschlussreichen Workshop auf. Die Kinder staunten darüber, dass weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht sind. 85 % der Flüchtlinge sind in ein anderes Entwicklungsland geflohen. Nur 5,2 % der Flüchtlinge halten sich in Europa (inklusive Türkei!) auf, davon alleine 1,6 Millionen in der Türkei, dem Land, das bisher weltweit am meisten Flüchtlinge aufgenommen hat.

Zum Abschluss sahen die Schüler noch einen Film, der den Einsatz von CARE im größten Flüchtlingslager der Welt in Dadaab in Kenia zeigt. Herr Knoll und Herr Klein von CARE haben sich sehr über die Aufgeschlossenheit und die Beiträge der Kinder gefreut. Hoffentlich hat der Workshop dazu beitragen können, dass wir den Flüchtlingen alle mit Verständnis, Freundlichkeit und Respekt begegnen … und da können auch Kinder einen wichtigen Beitrag leisten.





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