Zum „Tag der Quellen“ am 29.01.2026 trafen sich, wie seit dreizehn Jahren, einige Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Schulen im Volkstheater, um in vielfältiger und kreativer Form historische Quellen aus der NS-Zeit lebendig werden zu lassen. Charvitha Poonuru, Freya Rühlemann, Johanna Kastenberger, Johanna Schröder, Laura Kubinke, Leopold Otto, Luisa Nave, Marvin Lehner und Raja Abade vertraten die Realschule Unterpfaffenhofen und stellten das Leben des Arztes Fritz Hintermayer vor. Fritz Hintermayer ist der Großonkel unserer Lehrerin Frau Helf, wodurch auf eine Reihe von Originaltexten, Fotos und Gerichtsakten zugegriffen werden konnte. So lasen wir Schülerinnen und Schüler abwechselnd zum Beispiel aus seiner selbstverfassten Biografie auf der Bühne des Theaters vor.
Dr. Fritz Hintermayer war an unterschiedlichen Orten als Arzt tätig. Zuletzt praktizierte er als Lagerarzt im Konzentrationslager Dachau und hat damit als Mitwisser und Unterstützer des Systems maßgeblich zum Leid der Gefangenen beigetragen. Hierzu wurden Quellen verlesen, die die aktive Tötung zweier weiblichen Gefangenen bezeugen. Unter seinen Augen fanden Hinrichtungen von russischen Kriegsgefangenen statt, denen durch dieses Projekt eine Stimme gegeben wurde. Hintermayer wurde im Dezember 1945 im Rahmen der Dachauer Prozesse zum Tode verurteilt.
Neben den Originalquellen konnten auch einige selbstgeschriebene Beiträge der Schülerinnen und Schüler einen Gegenwartsbezug herstellen. Die Gesellschaft soll wachgerüttelt werden und sich aktiv gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen. Mit einem Gedicht der Schülerin Kim Steuck und den Worten „Doch lebt jetzt und liebt und umarmt die Welt, denn Güte und Liebe ist das was zählt“ endete der Vortrag, der im Volkstheater Stille und Betroffenheit auslöste.
Der Theatersaal war erfüllt von respektvollem Verhalten gegenüber den Opfern, aber auch gegenüber den darstellenden Schülerinnen und Schülern. Für uns wird der 29.01.2026 als Tag gegen das Vergessen für immer im Gedächtnis bleiben.
StRin (RS) Julia Helf und Luisa Nave, 9b
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