Was macht unsere Kultur aus? Welche Traditionen, Bräuche und Fertigkeiten verbinden Menschen über Generationen hinweg? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der St.-Bonaventura-Realschule beim diesjährigen Franziskustag, der ganz im Zeichen des immateriellen Kulturerbes stand. Als anerkannte UNESCO-Projektschule griff unsere Schule damit ein Thema auf, das aktueller kaum sein könnte: den Erhalt lebendiger Traditionen, regionaler Identität und gemeinschaftlicher Werte.
Bereits Wochen zuvor hatten die Lehrkräfte in Zweierteams insgesamt 23 unterschiedliche Workshops vorbereitet. Jeder Workshop widmete sich einem besonderen Aspekt des immateriellen Kulturerbes und machte deutlich, wie vielfältig dieses sein kann. Dabei standen nicht historische Ausstellungsstücke im Mittelpunkt, sondern lebendige Kultur, die heute noch praktiziert, weitergegeben und erlebt wird.
Die Schülerinnen und Schüler konnten aus einer beeindruckenden Vielfalt an Angeboten wählen. So lernten sie beim Kneippen die Gesundheitslehre von Sebastian Kneipp kennen, beschäftigten sich mit dem schwäbischen Dialekt, backten traditionelles Brot, gestalteten Spanschachteln nach Berchtesgadener Vorbild oder begaben sich auf den Ulrichspilgerweg durch Dillingen. Andere Gruppen erkundeten das Kloster der Dillinger Franziskanerinnen, beschäftigten sich mit christlichen Pilgertraditionen oder entdeckten regionale Sagen und Bräuche.
Auch typisch bayerische Traditionen fanden ihren Platz: Vom Patroziniumsfest, über Maibäume, den Leonhardiritt, Fasching in Bayern und Schwaben, Schafkopf, Watten oder die Bedeutung des regionalen Dialekts bis hin zur Bayerischen Rezeptsammlung reichte die Themenpalette. Kreativ wurde es beim Bau eines Alpenhorns, beim Abfüllen von Blumensamen oder beim Kennenlernen traditionellen Handwerks. Naturinteressierte erkundeten heimische Pflanzen auf einer Wanderung, während Musikbegeisterte bei einer Exkursion zu einer Orgelbaufirma Einblicke in ein jahrhundertealtes Handwerk erhielten.
Gemeinsam hatten alle Angebote ein Ziel: Die Schülerinnen und Schüler sollten erkennen, dass Kultur weit mehr ist als historische Bauwerke oder Museumsstücke. Sie lebt von Menschen, die Wissen, Fertigkeiten, Sprache, Musik, Feste und Bräuche bewahren und an kommende Generationen weitergeben. Genau dieser Gedanke steht auch hinter dem UNESCO-Begriff des immateriellen Kulturerbes.
Mit großem Engagement wurde in den einzelnen Gruppen gearbeitet, diskutiert, ausprobiert, gestaltet und erlebt. Dabei entstanden Plakate, Modelle, Werkstücke, Präsentationen und kreative Ergebnisse, die am Ende des Tages im Rahmen eines gemeinsamen Gallery Walks in der Turnhalle ausgestellt wurden. So erhielten alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, die Arbeit der anderen Gruppen kennenzulernen und einen Eindruck von der beeindruckenden Vielfalt regionaler und kultureller Traditionen zu gewinnen.
Der Franziskustag zeigte eindrucksvoll, wie Lernen außerhalb des klassischen Unterrichts gelingen kann. Eigenständiges Entdecken, gemeinsames Arbeiten und das unmittelbare Erleben standen im Mittelpunkt. Gleichzeitig wurde deutlich, dass kulturelles Erbe nicht nur Vergangenheit bedeutet, sondern unsere Gegenwart prägt und Verantwortung für die Zukunft mit sich bringt.
Ein Tag voller Begegnungen, neuer Erfahrungen und gelebter Kultur – ganz im Sinne des Franziskusgedankens und des UNESCO-Leitbildes: Gemeinsam lernen, Traditionen bewahren und Zukunft gestalten.
Autor: Herr Bernd Völkel
Fotografin: Frau Simone Schwägerl
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