Das SENIORPARTNERPROJEKT zur Betreuung von Praktikanten

Ein Mentoringprojekt von Universität und Praktikumsamt als unterfränkischer Modellversuch

Im Frühjahr 2008 trafen sich in der Dienststelle des Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Unterfranken die Leiterin des Praktikumsamtes, BerRin Yvonne Neumeier, und die Geschäftsführerin der Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (ZfL) an der Universität Würzburg, PD Dr. Birgit Hoyer, mit sieben ehemaligen Direktoren und Konrektoren unterfränkischer Realschulen. Diese wollten den Kontakt zur Schule noch nicht ganz abbrechen lassen und ihre langjährige Erfahrung und ihr umfangreiches Wissen nicht einfach „vergessen“, sondern weitergeben. In ihrer aktiven Dienstzeit hatten sie erlebt, dass ihre Lehrkräfte bei der Betreuung von Studierenden, die ein Praktikum an ihrer Schule ablegen mussten, die ihnen zugedachten Aufgaben wegen des damit verbundenen Zeitaufwandes nahezu nicht erfüllen konnten. Es entstand die Idee, als „Seniorpartner“ die Betreuung durch die schulische Lehrkraft so zu ergänzen, dass die Schulleitungen und die schulischen Betreuer entlastet, gleichzeitig die Praktikanten aber intensiver mit den Erfordernissen des Lehrerberufes vertraut gemacht werden. Nach weiteren Vorgesprächen begannen im September 2008 acht „Seniorpartner“ nach Absprache mit den Schulleitungen mit der Betreuung.

Betreuung im Orientierungspraktikum

Um im Orientierungspraktikum wenigstens ansatzweise eine "erste Überprüfung der Eignung und Neigung für den angestrebten Beruf" vornehmen zu können, kann es nicht ausreichen, dem Praktikanten einen Stundenplan in die Hand zu drücken und ihn ausschließlich hospitieren zu lassen nach dem Motto "Jetzt schau mal, wie es in einer Schule zugeht." Daher findet neben den Hospitationen in der Mitte der Praktikumswoche ein weiteres Gespräch mit dem Seniorpartner statt mit Themen aus den folgenden Beispielen:

  • Anforderungen im Lehrerberuf
  • Aufgaben des Lehrers im Laufe eines Schuljahres
  • Stellung der Realschule im bayerischen Schulsystem
  • Aufbau der Realschule (Wahlpflichtfächergruppen)
  • Zweite Phase der Lehrerausbildung
  • Einsicht in ausgewählte Verordnungen (z.B. Aufsichtspflicht, Urheberrechte, Wandertage, Legasthenie)
  • Auf Wunsch des Praktikanten auch Gespräche über Unterrichtsmethoden, wie sie bei Unterrichtsbesuchen erlebt worden sind.

Der Seniorpartner steht den Praktikanten während der Woche auf Wunsch zu Einzelgesprächen zur Verfügung. In einem Abschlussgespräch werden die Vorstellungen des Praktikanten mit der erlebten Realität während des Praktikums verglichen. Da der Praktikant den eigenen Schulbesuch gerade abgeschlossen und Schulerlebnisse noch gut in Erinnerung hat, bietet es sich an, im Praktikum erlebte schulische Begebenheiten aus der Sicht des Lehrers zu betrachten und Schüler- und Lehrerverhalten entsprechend zu analysieren.

Betreuung im pädagogisch-didaktischen Schulpraktikum

In der für alle Praktikanten verpflichtenden Einführungsveranstaltung, durchgeführt durch die Praktikumsamtsleiterin für die Realschulen in Unterfranken in den Räumen der Universität Würzburg, wirken Seniorpartner bei der Vorbereitung der Studenten auf das pädagogisch-didaktische Schulpraktikum mit und erledigen dabei erste organisatorische Aufgaben, die sonst von der Schulleitung durchgeführt werden müssten (Verschwiegenheit nach LDO §14, Belehrung über gesundheitliche Anforderungen und Mitwirkungspflicht nach dem Infektionsschutzgesetz, allgemeines Verhalten in der Schule, Erwartungen an Praktikanten).

Die Praktikanten nehmen an der Eröffnungskonferenz des Schuljahres teil. In den ersten Tagen begleiten sie ihre von der Schulleitung bestimmten Betreuungslehrer und unterstützen diese bei Klassenleitertätigkeiten. Danach hospitieren sie in täglich wechselnden Klassen. Nach einer Woche schließen sich Hospitationen in ihren Studienfächern bei möglichst vielen Lehrkräften in möglichst vielen Jahrgangsstufen an. Schon jetzt sind erste Unterrichtsversuche möglich.

Im Stundenplan der Praktikanten sind Besprechungstermine mit dem Seniorpartner fest eingeplant. Für diese Gespräche haben sich im Laufe der bisherigen Projektdurchführung Themen ergeben, von denen einige auf ausdrücklichen Wunsch der Praktikanten eingeführt worden sind.

  • Aufbau und Vorbereitung einer Unterrichtsstunde
  • Übungen zur Tafelanschrift und zum Medieneinsatz
  • Verhalten bei Störungen im Unterricht
  • Erörterung verschiedener Unterrichtsstile
  • Möglichkeiten der Führung und Lenkung einer Klasse
  • Möglichkeiten der individuellen Förderung von Schülern
  • Gesundheitliche Anforderungen im Lehrerberuf
  • Erzieherische Wirksamkeit des Lehrers
  • Der Lehrplan der Realschule als Gesamtwerk
  • Berufsaussichten

In Abstimmung mit dem schulischen Betreuer besucht der Seniorpartner Unterrichtsversuche und bespricht mit den Praktikanten deren Verlauf, ohne in den fachlichen Bereich einzugreifen. Zu Einzelgesprächen steht er jederzeit zur Verfügung. Im Abschlussgespräch (evtl. gemeinsam mit dem schulischen Betreuer) soll dem Praktikanten geholfen werden, seine Eignung und Neigung für den Lehrerberuf realistisch einzuschätzen.

Abschließende Bemerkungen

Dieses Projekt entspringt keinem Auftrag des Kultusministeriums, sondern ist eine Initiative „von unten“ und wird nur in Unterfranken durchgeführt. Es findet unter dem Schirm des ZfL an der Universität Würzburg in engster Zusammenarbeit mit dem Praktikumsamt beim Ministerialbeauftragten statt. Das Projekt konnte allerdings nur starten und durchgeführt werden, weil es in den Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Unterfranken, Johann Seitz und (ab 2010) Horst Karch, engagierte Befürworter und Unterstützer gefunden hat.

Inzwischen betreuen 15 Seniorpartner an ebenso vielen Schulen Praktikanten im Orientierungs- und im pädagogisch-didaktischen Schulpraktikum. Auch in verschiedenen Begleitveranstaltungen an der Universität referieren Seniorpartner zu verschiedenen Themen. Das Projekt ist nicht nur für ehemalige Mitglieder der Schulleitung interessant, sondern für alle Lehrkräfte, die mit der Betreuung von Praktikanten und/oder Referendaren beauftragt worden waren und die nach Beendigung ihrer aktiven Dienstzeit mit der Schule und jungen Menschen, die ihnen als Pädagogen nachfolgen, noch etwas in Kontakt bleiben wollen. Der zeitliche Aufwand ist überschaubar und selbst zu steuern. Die Tätigkeit als Seniorpartner in diesem Projekt ist ehrenamtlich.  

 

Interessenten können sich wegen weiterer Informationen jederzeit wenden an die Leiterin des Praktikumsamtes, BerRin Yvonne Neumeier (neumeier(at)mbrs-ufr.de, Tel. 0931 4534511) oder an RSD a. D. Wolfram Milde (w.milde(at)t-online.de, Tel. 09324 3967).



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