Landeskunde im Englischunterricht mit Padlet

In unserem Unterricht haben Schüler oft den Eindruck fremd gesteuert zu werden. Sie müssen das machen, was ihnen vorgegeben wird. In der vorliegenden Unterrichtssequenz werden die Schüler von Beginn an in die Themenwahl und die Gestaltung des Unterrichts miteinbezogen. Ich habe folgende Unterrichtseinheiten in zwei siebten und einer achten Klasse durchgeführt. Zu Beginn wurden den Schülern im Lehrplan die Themengebiete im Bereich Landeskunde vorgestellt. Mittels des Internettools „Padlet“ (www.padlet.com), das wie eine virtuelle Pinnwand zu bedienen ist, konnten die Schüler erste Interessengebiete angeben. Nachdem die Posts nach Themen geordnet waren, ergab sich folgendes Bild (Abb. 01, Abb. 02).

Wie aus den Bildern ersichtlich ist, ergaben sich bei der Auswahl verschiedene Gruppen. Um das Thema jedoch nicht zu weitläufig zu gestalten, einigten wir uns in der Klasse auf Schwerpunkte, innerhalb derer die Schüler ihren Interessen nachgehen konnten. In den siebten Klassen lautete das Thema „London“ bzw. „London/England“, in der achten untersuchten wir den „American Way of Life“. Interessant war nun für mich das Vorwissen der Klassen zu diesem Thema. Darum ließ ich die Schüler alle Informationen, die sie zu dem Thema besaßen in Mindmaps zusammentragen. Die Eingaben, die ich schriftlich von den Schülern bekam, fasste ich zu jeweils einer großen Mindmap zusammen (Abb. 03, Abb. 04).

Nun hatten die Klassen auf der Grundlage des Lehrplans ein Schwerpunktthema gefunden. Der nächste Schritt bestand daraus, Gruppen in der Klasse zu bilden und diese in Unterthemen zu gliedern. Auf Grund der Interessengebiete der Schüler gelang es relativ schnell Arbeitsgemeinschaften zu bilden. Die Schüler gaben ihrem Team einen Namen und einigten auf ein oder mehrere Unterthemen, die sie in den folgenden Wochen bearbeiten wollten. Nach dieser Arbeit begannen wir mit sogenannten „Lernfragen“ innerhalb der Gruppen. Wann immer wir eine Lernfrage stellten, wurden folgende Schritte eingehalten: • die Teilnehmer einer Gruppe bekommen Aufgaben (z. B. Gruppenleiter; Zeitnehmer; Schreiber)

  • die Lernfrage wird gestellt
  • jeder bekommt 2 Minuten Zeit, sich Gedanken zu machen und diese aufzuschreiben • der Zeitnehmer überwacht die Uhr, der Gruppenleiter sorgt für Ruhe
  • nach der Arbeitsphase bekommt jeder Teilnehmer gleich viel Zeit (z. B. 1 Minute) seine Gedanken zu erläutern. In dieser Zeit werden keine Fragen gestellt und jeder hört zu.
  • nach dieser Runde können Verständnisfragen an die einzelnen Gruppenmitglieder gestellt werden Unserer Lernfragen waren „Wie kann man am besten diese Themen lernen/bearbeiten?“ und „Welche Fähigkeiten braucht man dazu?“

Lernfragen sind deshalb so interessant, weil man als Lehrer einen Einblick in die Denkweise und Arbeitsmethodik der Schüler bekommt. Oft überschätzt man die Jugendlichen im Umgang mit Medien oder in ihren Strategien, Probleme zu erkennen und zu lösen. Nach dem Einsatz von Lernfragen kann der Lehrer in einzelnen Gruppen im Vorfeld bereits falsche Arbeitsansätze erkennen und die betreffenden Schüler in die richtigen Richtung lenken. Die Ergebnisse der Lernfragen wurden gesammelt und ergaben in einer Klasse diese Zusammenstellung (Abb. 05).

Bevor nun die Arbeitsphase in Gruppen begann, wurde mit der Klasse besprochen, wie die Präsentation der Gruppe und des Stoffes, sowie die Benotung der geleisteten Arbeit aussehen könnten. Möglichkeiten waren zum Beispiel schriftliche Abfragen in einer Schulaufgabe oder Stegreifaufgabe oder die Präsentation mittels Referaten. Am Ende entschieden sich die Klassen für Referate und die Arbeit konnte beginnen.

Um für ungestörtes Arbeiten der Gruppen zu sorgen, wurde ein Plan erstellt, der die Computerräume der Schule für die jeweiligen Englischstunden blockierte. Somit war sicher gestellt, dass die Schüler jederzeit im Internet recherchieren konnten. Ferner bekamen die Jugendlichen die Erlaubnis mit ihren eigenen Smartphones, Tablets oder Notebooks zu arbeiten.

Damit die Arbeit produktiv und ohne größere Pausen verlief, wurden Wochenarbeitspläne erstellt, welche die Gruppenmitglieder ausfüllen und unterschreiben mussten. Jeder der Jugendlichen legte Zeugnis über seine Wochenarbeit ab und alle Gruppenmitglieder unter- schrieben diesen Report. Sollte nun einer im Team die Unwahrheit über seine tatsächlich erbrachte Leistung einer Woche aufschreiben, hatte dies zur Folge, dass die anderen Mitglieder diesen Report nicht unterschrieben. Auf diese Weise wurden „Trittbrettfahrer“ früh ausgebremst und keiner fühlte sich ausgenutzt.

Die Schüler bekamen zusätzlich die Aufgabe, mir „words of the week“ einzureichen, die sie während ihrer Arbeit entdeckten und die neu waren. Aus den Wörtern aller Gruppen suchte ich geeignete für diese Jahrgangsstufe heraus, schrieb sie zusammen und gab sie nach jedem Wochenende den Schülern zurück (Abb. 06). Diese Vokabeln wurden gelernt und konnten auch abgefragt werden.

Fast alle Referate wurden mittels Powerpoint Präsentationen gehalten und teilweise durch Realien unterstützt (z. B. Schuluniformen, typisch englischen Kuchen, etc.).


Abb. 02: Themensammlung mit virtueller Pinnwand (8. Jgst.)
Abb. 01: Themensammlung mit virtueller Pinnwand (7. Jgst.)
Abb. 06: "Words of the week"
Abb. 05: Ergebnisse der Lernfragen
Abb. 04: Vorwissensammlung (8. Jgst.)
Abb. 03: Vorwissensammlung (7. Jgst.)



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