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Papstaudienz und Pontifikalgottesdienst: Mädchenrealschule St. Josef im Bann der Ewigen Stadt

Schulfamilie startete mit Pilgerreise nach Rom in das 100-jährige Schuljubiläum

„Andiamo a Roma!“ Dem Aufruf von Realschuldirektorin im Kirchendienst Marlies Hoffmann waren rund 370 Schülerinnen der 6. – 10. Klassen und 25 Lehrkräfte der Mädchenrealschule St. Josef, Schwandorf, Stiftungsdirektor Domkapitular Prälat Johannes Neumüller und Geschäftsführer Johann Gröber von der Schulstiftung der Diözese Regensburg sowie der Direktor des Katholischen Schulwerks in Bayern, Dr. Andreas Hatzung, gefolgt. Im Nu füllten die Teilnehmer den großen Globus-Parkplatz samt Eltern und 6 Doppeldeckern.

Gestärkt mit dem Reisesegen, den Stiftungsdirektor Domkapitular Johannes Neumüller erteilte, führten am Sonntag alle Wege nach Rom. Wenn (fast) die ganze Schule vom 18. – 23. September auf Initiative von Schulleiterin Marlies Hoffmann in die Ewige Stadt reisen darf, hat das schon einen besonderen Grund: Anlass war das 100-jährige Schuljubiläum, das die Mädchenrealschule am 15. Oktober mit einem Pontifikalgottesdienst, dem Festakt und einem Tag der offenen Tür begeht und mit einem Benefizkonzert am 19. Oktober abrundet.

Besuch früher christlicher Stätten

Nach 14-stündiger Anreise fanden sich die Romfahrer zu einem reichhaltigen Picknick in dem von Palmen gesäumten Park bei St. Paul vor den Mauern ein. Die Basilika, zweitgrößte Kirche Roms, die das Grab des heiligen Paulus beherbergt, konnte besucht werden, ehe die Domitilla-Katakomben, unterirdische Grabstätten und geheime Treffpunkte der frühen Christen während der Zeit der Christenverfolgung, besichtigt wurden.

Papst Franziskus begrüßte die Schulfamilie auf dem Petersplatz

Zwei Höhepunkte akzentuierten die Jubiläumsreise: die Papstaudienz und der Pontifikalgottesdienst mit Gerhard Kardinal Müller. Nahezu 400 lemongrün leuchtende Jubiläums-T-Shirts der Schwandorfer Schulfamilie von St. Josef markierten die wohl größte Pilgergruppe auf dem Petersplatz, die dem Papst bei der Generalaudienz am Mittwoch freudig zujubelte, als er die Schule in ungewöhnlich ausführlichen Worten begrüßte. Beifall brandete auf, als der Heilige Vater die Barmherzigkeit als Motto des Heiligen Jahres 2016 thematisierte. „Vergeben“ und „Geben“ seien „die beiden wichtigsten Pfeiler menschlicher Barmherzigkeit“, appellierte Franziskus an die Gläubigen.

Dank an Gerhard Kardinal Müller für die „Rettung“ der Schule 

„Wer glaubt, ist nie allein.“ Mit dem Papstlied schlug man beim feierlichen Pontifikalgottesdienst in Sant‘ Agnese in Agone an der Piazza Navona am Mittwochnachmittag eine Brücke zum Besuch des früheren Papstes Benedikt XVI. im Jahr 2006 in Regensburg und Gerhard Kardinal Müller, damals Bischof von Regensburg. Stiftungsdirektor Domkapitular Johannes Neumüller rief zu Beginn die „Rettung“ der Mädchenrealschule durch den Kardinal und früheren Oberhirten des Bistums Regensburg ins Gedächtnis zurück. Der Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation in Rom spannte in Konzelebration mit seinem Sekretär Don Slawek und Stiftungsdirektor Domkapitular Johannes Neumüller eingangs den Bogen von der drohenden Schulschließung der klösterlichen Mädchenrealschule der Dominikanerinnen St. Josef 2002 bis zur Übernahme der Schulträgerschaft durch die Diözese Regensburg und die Weiterführung der Mädchenrealschule als katholische Schule, die in 2016 ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit motivierte der Kardinal in seiner Predigt die Schulfamilie, „ein Zeugnis, ein Zeichen zu geben, dass trotz aller Widrigkeiten die Liebe stärker ist“. Unter der Mitwirkung von sieben Ministrantinnen von St. Josef unter der Leitung von Studienrätin Birgit Weigert und musikalisch niveauvoll umrahmt von der Gesangsformation VOICED unter der Leitung von Studienrätin Janett Vetter sowie dem Organisten der Kirche der heiligen Agnes wurde der ansprechende Gottesdienst unter den kind- und jugendgerechten Worten des Kardinals zur Glaubenserfahrung.

Im Anschluss daran durften die Schülersprecherinnen Inara Özkalayci (9c), Elenor Korb (10c) und Franziska Ziegler (10a) mit Gerhard Kardinal Müller ein Interview führen, das sie mit Studienrätin Irmgard Bink vorbereitet hatten. Dabei erinnerte er sich genau an die Mädchenrealschule, die ihm vor 14 Jahren ihr Anliegen mit der Bitte, die Schule zu übernehmen, vortrug. Er stellte die Bedeutung der Begegnung mit Gott, der Präsenz der Kirche bei der Jugend, der christlichen Werte und der ganzheitlichen Erziehung in katholischen Schulen heraus.

Realschuldirektorin Marlies Hoffmann und die Schülersprecherinnen dankten ihm mit einem originellen Präsent im Namen der gesamten Schulfamilie, dass er als „Retter“ der Schule „in die Geschichte des Hauses einging“. Die Schulleiterin betonte die „tragende Rolle“, die der Kardinal „innerhalb der 100-jährigen Schulgeschichte“ innehat. Der Kardinal freute sich über drei von dem Schwandorfer Hobbykünstler Josef Vitzthum aus der Pfarrei St. Jakob aus Holz geschnitzte Kantenhocker im Habitus eines Kardinals, eines Gardisten der Schweizer Garde und eines bayerischen Ministranten, Wein aus Regensburg, Honig aus Burglengenfeld, Pralinen mit dem Schullogo und dem Logo des Bayernhymne-Komponisten Konrad Max Kunz aus Schwandorf sowie Hochprozentiges aus dem Bayerischen Wald.

Überwältigende Eindrücke aus dem antiken und klassischen Rom

Neben dem kirchlichen Rom standen auch antike Sehenswürdigkeiten und das historische Zentrum Roms auf dem Besichtigungsprogramm. Petersdom mit Kuppelbesteigung, Kolosseum, Forum Romanum, Piazza Navona mit dem Vier-Ströme-Brunnen, Pantheon, Trevi-Brunnen und Spanische Treppe faszinierten und interessierten die Schülerinnen gleichermaßen, waren sie doch bereits Ende des vergangenen Schuljahres im Unterricht und bei Projekttagen theologisch, historisch und geografisch gezielt vorbereitet worden.

Obendrein nutzten die Schülerinnen bei täglich fast ausnahmslos strahlendem Sonnenschein die willkommene Gelegenheit, sich in dem riesigen Pool der Camping-Village-Roma-Anlage zu erfrischen, wo sie und die Begleitpersonen in Chalets und Bungalows logierten. Vom alpetour-Team um die Familie Bühringer höchst professionell vorbereitet, perfekt organisiert und äußerst aufmerksam, fürsorglich und umsichtig betreut geriet die Romreise zu einer wunderschönen, unvergesslichen Aktion.

Eine besondere Zugabe: Da die 10. Klassen mit der Jubiläumsreise ihre Abschlussfahrt verbanden, war ein Reisetag mehr als für die Jahrgangsstufen 6 – 9 und somit on top ein erweitertes Angebot genehmigt: eine Segway-Tour durch das Stadtzentrum, ein Besuch des Hard Rock Cafés, Abendessen in Trastevere, ein Strandtag in Maccarese – alles in allem genau nach dem Gusto der Mädchen. Rom präsentierte sich einmal mehr als Stadt der Superlative: imposant, kolossal, monumental, grandios, unerschöpflich, unvergleichlich – überwältigend eben.

Text: Irmgard Bink

Fotos: Irmgard Bink, Martin Vogel





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