Präsentationskonzept: schlicht - eindeutig - kurz

Vielleicht saßen in der Steinzeit Menschen zusammen in ihren Höhlen, fertigten Malereien an den nackten Wänden, erzählten Geschichten von der Mammutjagd, wie sie vorgegangen waren, wer sich verletzt hat, ...

Vielleicht liefen so die ersten Präsentationen ab.

Vielleicht waren das die ersten "PowerPoint-Präsentationen" überhaupt, bevor es ein Wort dafür gab.

Vielleicht sollten wir uns auf diese Anfänge berufen, wenn wir heute Präsentationen erstellen. 

Der in Japan lebende Garr Reynolds hat sich über viele Jahre hinweg mit der Gestaltung von Folienpräsentationen auseinandergesetzt und wertvolle Erkenntnisse hierüber in seinen Büchern dargestellt:

1. Vorbereitungen und Vorüberlegungen

Die Planungen für eine Präsentation hängen von vielen Faktoren ab. Entscheidend sind die Rahmenbedingungen, die man unter keinen Umständen vernachlässigen darf. Neben Räumlichkeiten und anderen organisatorischen Dingen gibt insbesondere das Publikum die inhaltliche Umsetzung des Präsentationsthemas vor:

  • Wie ist die Zusammensetzung des Publikums?
  • Welches Vorwissen bringen die Zuhörer mit?
  • Was erwartet das Publikum von mir?
  • Wovon möchte ich mein Publikum überzeugen?
  • Was ist der Sinn der Präsentation?
  • Könnte sich das Publikum nur an ein einziges Detail der Präsentation erinnern, welches müsste es sein? oder: Was ist meine wichtigste Aussage?
Quelle: https://pixabay.com/

2. Foliendesign

Auf das Thema "Foliendesign" angesprochen, sagte Guy Kawasaki (Er war für die Vermarktung des Macintosh 1984 verantwortlich.), dass für ihn 99% aller Folienpräsentationen folgende Merkmale haben: 

  • Langeweile
  • Langatmigkeit
  • hässliche Folien
  • inhaltliche Leere

Daher definiert er, wie Präsentationen gestaltet sein sollen: "Wir wollen Kürze, Schlichtheit, Lesbarkeit, eine Kernaussage."

Von ihm stammt auch die Faustformel 10 - 20 - 30 (maximal 10 Folien, maximal 20 Minuten Vortragsdauer, mindestens Schriftgröße 30).

Inhaltliche Gestaltungskriterien spiegeln sich im Foliendesign wider. Eine gute Folienpräsentation besticht nicht durch eine aufwendige technische Umsetzung, sondern ist schlicht und eindeutig. Es ist daher hilfreich, nach folgender Checkliste bei der Erstellung der eigenen Präsentation zu arbeiten und so die eigene Arbeit immer wieder zu hinterfragen:

  • Vereinfache deine Folien auf die relevanten Informationen und vermeide unnötige Elemente soweit wie möglich.
  • Weit verbreitet ist die 1-7-7-Regel: Ein Argument pro Folie, maximal sieben Zeilen, nicht mehr als sieben Wörter pro Zeile. Doch ist dies wirklich sinnvoll (siehe Beispiel rechts)?
  • Verteile einzelne Gedanken auf jeweils eine eigene Folie. Verwende also Aufzählungszeichen so sparsam wie möglich.
  • Nutze die Überlegenheit des Bildes für deine Sache, denn man kann Bildinformationen besser und effektiver aufnehmen als Worte.
  • Nutze den Leerraum auf Folien ... durch Leere! Dadurch wirken Text und Bild besser, man kann sich leichter auf die wesentlichen Informationen konzentrieren.

 

 

... wofür sind Folien geeignet? Sie steuern die Aufmerksamkeit und unterstützen den Referenten.

Der Mensch kann nicht mehrere Dinge gleichzeitig (lesen und zuhören), daher haben Folien die Funktion,  Emotionen zu wecken, Interesse und Aufmerksamkeit zu lenken, Gefühle zu erzeugen. Sie müssen daher sehr einfach und schlicht sein.

Guy Kawasaki; Quelle: commons.wikimedia.org
Negativbeispiel: zu viele Informationen
Negativbeispiel: 1-7-7-Regel

Schlichtheit

"Reduziere deine Aussagen auf das Wichtigste."

Unwesentliche Dinge wie Schullogo, Dekoelemente, Datum, Name des Vortragenden, Folie x von y, ... müssen entfallen: Sie liefern keinerlei interessante oder notwendige Informationen. Im Gegenteil! Unser Gehirn ist in der Regel gut damit beschäftigt, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und zu filtern. Daher versucht es, jede Information auf einer Präsentationsfolie zu interpretieren, statt sich voll und ganz den Vortrag und die dargebotenen Inhalten zu konzentrieren.

Plötzlichkeit

"Mache durch Überraschungen aufmerksam, das weckt Interesse. Interesse kann man durch Neugier aufrechterhalten."

 

 

Quelle: www.istockphoto.com

Greifbarkeit

"Stelle mithilfe von Sprichwörtern und Redensarten komplexere Inhalte greifbar dar."

Das rechte Folienbeispiel stellt bildhaft die Redensart "den Nagel auf den Kopf treffen" dar. In Kombination mit dem Text "unsere Maßnahmen" vermittelt der Vortragende, wenn er gerade die Maßnahmen erläutert, dass diese ganz hervorragend und sehr passend sind.

Quelle: http://www.sxc.hu/

Glaubwürdigkeit

"Präsentiere Zahlen und Fakten so, dass sich die Zuhörer dies bildlich vorstellen können."

Reine Sachinformationen kann man sich häufig nur sehr schwer vorstellen, daher greift man gerne zu Vergleichen oder setzt bekannte Größen in Zusammenhang mit neuen Informationen. Wissen Sie, wie groß der rote Fleck auf dem Jupiter ist? - Unsere Erde passt ziemlich genau rein. Wissen Sie, wie schnell wir 50 Gramm Fett in Form von Lebensmitteln zu uns nehmen?

Quelle: http://www.sxc.hu/

Emotionalität

"Arbeite mit Bildern, sie stellen eine visuelle und emotionale Verbindung zu nackten Zahlen und Fakten her."

Im Zusammenhang mit Bildern bekommen Zahlenwerte eine ganz andere Bedeutung. Mit dem geeigneten Bild kann es einem Vortragenden gelingen, Informationen und Haltungen zu kommunizieren, ohne diese gesondert darlegen zu müssen. Um diesen Effekt zu verdeutlichen, haben die folgenden Folien eine identische Beschriftung:

"Der Deutsche isst 60 kg Fleisch pro Jahr."

In Kombination mit einem geeigneten Bild, lassen sich damit unterschiedliche Botschaften vermitteln:

Quelle: http://farm4.staticflickr.com/
Quelle: www.sxc.hu
Quelle: © Halina Zaremba / PIXELIO
Quelle: www.sxc.hu

 

... eine kleine Zuordnungsaufgabe:

  • Übermäßiger Fleischkonsum führt zu Fettleibigkeit.
  • Der Konsum von Fleischprodukten ist ungesund.
  • Fleisch stellt ein gesundes Lebensmittel dar.
  • Fleisch ist ein unbedenkliches Naturprodukt.

3. Die Tasten "B" und "W"

Geschichten

"Setze deinem Zuhörer nicht einfach Informationen vor. Das Publikum will unterhalten werden, erzähle ihm eine Geschichte."

Sir Ken Robinson hat in seinem viel beachteten Vortrag "Schule erstickt die Kreativität" auf der TED-Konferenz 2006 ein sehr bewegendes Plädoyer für die Förderung der Kreativität gehalten. Sein Vortrag war deshalb so überzeugend und nachhaltig, weil er es verstand, Sachverhalte und Argumente in Geschichten zu verpacken, wie das folgende Beispiel aus seiner Rede zeigen soll: 

Ich habe vor kurzem eine tolle Geschichte gehört – ich erzähle sie zu gern - über ein kleines Mädchen, das in einer Schulstunde malte. Es war sechs und es malte hinten in der letzten Reihe und die Lehrerin sagte, dass dieses kleine Mädchen fast nie aufpasste, außer in der Zeichenstunde. Die Lehrerin war fasziniert, ging zu ihm hinüber und fragte: “Was malst du denn da?” Und das Mädchen sagte: “Ich zeichne ein Bild von Gott.” Und die Lehrerin sagte: “Aber niemand weiß, wie Gott aussieht” Und das Mädchen antwortete: “Gleich wissen Sie es.”

Für solche Momente stellt jede Präsentationssoftware eine wunderbare, aber nur wenig dokumentierte Funktion zu Verfügung: Die B- oder die W-Taste. Drückt man während der Präsentation auf das "B", so schaltet die Projektion auf schwarz (black), drückt man "W", so fällt auf die Leinwand nur noch weißes (white) Licht. Man kann damit die Aufmerksamkeit des Publikums weg von den Folien auf sich lenken.

4. Raum

Quelle: www.istockphoto.com

Mit der Zahlenfolge (1,1,2,3,5,8,13,21, ...) wollte Fibonacci 1202 die Kaninchenpopulation beschreiben. Die nebeneinander liegenden Zahlen der Fibonacci-Folge nähern sich in ihrem Verhältnis dem Goldenen-Schnitt an (vgl. Präsentationsfolien oben: weiße Linien). Ordnet man Objekte im Sinne des Goldenen Schnitts an, kann man dadurch eine harmonische Bildgestaltung erreichen. Umgekehrt kann man durch bewusste Missachtung auch Unruhe erzeugen - ganz entsprechend der eigenen Intension. 

Eine leichte Abwandlung zur Vereinfachung dieses komplexen Sachverhalts, über den mittlerweile hunderte von Bücher verfasst wurden, ist die "Drittel-Regel" - bekannt aus der Fotografie (vgl. Präsentationsfolien oben: blaue und grüne Linien).

5. Farbe

Quelle: www.istockphoto.com
Quelle: www.istockphoto.com
Quelle: www.istockphoto.com
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Farben vermitteln Stimmungen, geschickt eingesetzte Farbkombinationen können diese noch verstärken:

  • monochromatische Farbkombinationen (nur eine Farbe in verschiedenen Helligkeitsabstufungen und Sättigungsgraden)
  • analoge Farbkombinationen (benachbarte Farben im Farbenkreis)
  • komplementäre Farbkombinationen (im Farbkreis gegenüberliegende Farben) 

Adobe bietet mit "kuler" (http://kuler.adobe.com) für die richtige Farbwahl ein kostenfreies Online-Werkzeug, das wertvolle Dienste leisten kann.

6. Schrift

Quelle: http://www.sxc.hu

Der Begriff "grafisches Lärmen" beschreibt sehr anschaulich, was passiert, wenn man Text/Schrift unüberlegt einsetzt. Das obige Bildbeispiel zeigt eine Folie einer Präsentation, die folgende Punkte verdeutlichen soll:

  • Die Lesbarkeit der Folien richten sich nach den Zuhörern in der letzten Reihe. Guy Kawasaki schlägt vor, keine Schrift kleiner als 30 Punkt zu setzen. Das stellt wirklich das absolute Minimum dar! Im obigen Beispiel wurde der Text in 72 Punkt gesetzt.
  • Eine Schriftart genügt völlig. Das Beispiel zeigt, dass (gute) Schriftarten durchaus variantenreich eingesetzt werden können: fett, halbfett, normal, kursiv, ...

Beispielfolien einer Präsentation

Quelle: www.istockphoto.com
Quelle: www.istockphoto.com
Quelle: www.istockphoto.com
Quelle: www.istockphoto.com

 

Christoph Kasseckert

 

www.foto-kurs.com/bildgestaltung-goldener-schnitt.htm
www.garrreynolds.com/preso-tips/
Garr Reynolds, ZEN oder die Kunst der Präsentation (2008), 2. Auflage Addison-Wesley
Garr Reynolds, ZEN oder die Kunst des Präsentationsdesigns (2010), Addison-Wesley
Garr Reynolds, Naget Presenter (2011), Addison-Wesley
www.pixelio.de
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http://farm4.staticflickr.com/
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