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Pfaffenwinkel-Realschule Europas Nummer 1

Sie freuen sich über die Arbeit mit den beiden Robotern: die Achtklässler Tim Herrmann (l.) und Fabian Nebel.

Die Pfaffenwinkel-Realschule in Schongau war Schauplatz einer kleinen bildungspolitischen Revolution: Dort befinden sich seit Kurzem zwei hochmoderne Roboter – ein einmaliges Projekt in Bayern, in ganz Deutschland, ja offenkundig der ganzen Welt. Sie sollen helfen, das digitale Lernen zu fördern.

Schongau – Sie verfügen über Schwenkarme mit Greifzangen, drehen sich auf einer Kunststoff- und einer Metallplatte, surren leise vor sich hin und sind in der Lage, programmierte Bewegungen exakt auszuführen: Zum Beispiel, einen Zuckerwürfel hochzuheben und ihn woanders punktgenau in einer Kaffeetasse zu platzieren. Die Rede ist von „Panda“ und „UR3e“ – zwei kleinen, von der Firma „Universal Robots“ entwickelten Robotern, die kürzlich der Pfaffenwinkel-Realschule Schongau im Rahmen eines einstündigen Festaktes übergeben wurden.

Zugegen war auch Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU), die den jungen Nachwuchsforschern zum neuen stolzen Besitz der Schule gratulierte und sie ermunterte, künftig dort auch fleißig zu programmieren. Zuvor hatten Schüler der achten Klassen noch fleißig am Laptop getüftelt – mit Erfolg.

Als Tim Hermann und Fabian Nebel mit dem Cursor auf einen Button auf dem Bildschirm drückten, setzte sich „Panda“ in Bewegung, drehte seinen Metallarm in Richtung eines blauen Schächtelchens, hob dieses hoch und setzte es auf der anderen Seite des Tisches wieder ab. Die beiden Buben hatten zuvor die entsprechenden Befehle eingegeben.

In der Schongauer Schule hat spätestens seit diesem Augenblick das professionelle, digitale Lernen begonnen – sozusagen am lebenden Objekt. Der Stolz war allen beteiligten Akteuren sichtlich anzumerken. „Wir sind die erste weiterführende Schule in Bayern und vielleicht auch in ganz Deutschland, ja vielleicht in der ganzen Welt – die Berufsschulen einmal ausgenommen –, die dieses Projekt realisieren konnte.“, freute sich Schulleiter Armin Eder. Sogar ihm als Theologen und Philologen sei es gelungen, sich mit der hochmodernen Technik der beiden Geräte ein wenig vertraut zu machen und sie sogar bedienen zu können, witzelte der Realschul-Rektor.

Die Schongauer Schule reagiert damit auf staatliche Vorgaben, die sich schon seit Langem abzeichnen und gerade in der Corona-Pandemie immer mehr an Bedeutung gewinnen – die Bildungseinrichtungen zusehends mit professioneller Technik auszustatten und die Schüler fit für das digitale Zeitalter zu machen.

So ist im Lehrplan des Faches IT vermerkt, dass es vordringliche Aufgabe sei, die Datenverarbeitung über die schulische Ausbildung hinaus selbstständig anwenden und einsetzen zu können. Dazu seien grundlegende Einblicke in die Informationstechnologie nötig, sagte Eder. Gerade in der Robotik stecke „enorm viel Mehrwert“, es gelte aber, das damit verbundene Know-how pädagogisch zu begleiten.

Die Schüler sollten lernen, „die Maschine zu beherrschen, damit sie das tut, was man ihr einprogrammiert hat – und nicht umgekehrt.“

Eder sagte, dass es nicht darum gehen dürfe, die Klassenzimmer mit aller nur erdenklichen Technik auszustatten, nur um einen „Beschaffungsdrang“ umzusetzen. Der Mehrwert müsse darin liegen, den Bildungsgedanken zu stärken.

Lob für die Schongauer kam auch von Ernst Fischer, dem Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Oberbayern-West. Jeder Cent in diese Apparatur sei sinnvoll investiert: „Der digitale Arbeitsplatz ist wichtiger denn je“, sagte er mit Blick auf Corona und den Ausbau von Home-Office-Strukturen.

Fabian Bremauer, Leiter des „Mittelstands-Campus“ in Sauerlach, forderte die Schongauer Schüler auf, nicht nur Nutzer, sondern vor allem auch „Kreierer“ zu werden: „Wir brauchen Menschen, die die Technik nicht nur bedienen, sondern sie auch anwenden und entwickeln können.“





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