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Gedanken zu Ostern in Corona-Zeiten

Der Hochschulseelsorger der LMU München formuliert: „Das Evangelium am 22. März wirkte fast wie eine antike Komödie. Es ist ein Stück, in welchem sich nach und nach die Rollen vertauschen. Der Blinde wird sehend und die Sehenden werden blind. Die einfachen Leute werden weise und die Weisen werden als die eigentlich Ahnungslosen entlarvt. Oder besser: Es wird klar, dass die Gelehrten nur ihre eigenen Thesen und damit ihre eigenen Interessen vertreten. Jesus räumt gleich zu Anfang der Schriftstelle auch noch mit einem weiteren theologischen Irrtum der Gelehrten auf, die meinten die Blindheit des Mannes komme von der Sünde seiner Eltern – so war das Gottesbild damals und ist es auch noch bis heute zu Teilen geblieben. Jesus geht mit seinem Denken genau in die entgegengesetzte Richtung: Gott straft den Menschen nicht, sondern das Leid ist für Gott die Möglichkeit seinen Trost und seine Heilung am Menschen zu zeigen.“ (Quelle: www.st-ludwig-muenchen.de/aktuelles/wie-gehts-weiter/)

Unabhängig, ob man selbst gläubig ist oder nicht: Die Corona-Krise fordert uns auf, unser Sehen zu erneuern. Sie fordert uns auch dahin, uns der Wirklichkeit zu stellen. So sind auch die Emmausjünger im Evangelium vom Ostermontag zuerst blind. Ihnen geht erst ein Licht auf, nachdem sie sich auf den Weg gemacht und sich in ein Gespräch eingelassen haben. Dann wird ihnen offen-sichtlich, was wichtig ist. Dann handeln sie. Dann ändern sie ihre Richtung.

Wenn die derzeitige Krise dies auch in unserer Gesellschaft bewirkt, wenn wir auch in diesem Sinne Emmaus-Jünger werden, hätte die Krise nicht nur negative Folgen, sondern sie wäre ein Gewinn für uns alle.

Liebe Schulleitungen, liebe Lehrkräfte, sehr geehrte Eltern, verehrte Leser: Auch für Sie alle gilt jetzt: Es muss ein Unterschied zu den letzten drei Wochen erkennbar werden; ein Unterschied, der sich für Sie in echter Erholung zeigt.

Ein gesegnetes Osterfest!
Ernst Fischer
Ministerialbeauftragter





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