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Vergleich der Schulsysteme durch Job Shadowing

Besuch in der Schulküche: Die drei finnischen Lehrerinnen (rechts im Bild) sahen sich unter anderem den Unterricht in Haushalt und Ernährung der Achtklässler an.

Besuch in der Schulküche: Die drei finnischen Lehrerinnen (rechts im Bild) sahen sich unter anderem den Unterricht in Haushalt und Ernährung der Achtklässler an.

Fortbildungsbesuch finnischer Lehrerinnen an der Staatlichen Realschule Landau

”Pientä väli palaa suomalaisille vieraille – eine kleine Stärkung für unsere finnischen Gäste“, stand auf einem Kärtchen vor dem liebevoll zubereiteten Brotzeitteller im Lehrerzimmer der Viktor-Karell-Realschule. Er war bestimmt für drei Kolleginnen aus Finnland, die zu einem Fortbildungs-Besuch im Rahmen des EU-Lehrer-Austausches in der Bergstadt waren.

Das Motto der Europäischen Union lautet „United in Diversity – In Vielfalt geeint“. Damit das Motto nicht nur reine Theorie bleibt, sondern auch praktisch erlebt werden kann, hat die Europäische Kommission neben dem Erasmus-Austausch-Programm für Studenten auch die „Erasmus plus Projekte“ ins Leben gerufen. Sie haben das Ziel, unterschiedlichen Berufsgruppen, darunter auch Lehrern, die Unterschiede, vor allem aber die Gemeinsamkeiten europäischer Staaten zu verdeutlichen. Bei dem sogenannten „Job Shadowing“ geht es darum, Personen bei der Arbeit zuzuschauen und dadurch die Berufsbedingungen kennenzulernen.

Drei Pädagogen aus der finnischen Stadt Jyväskylä waren deshalb nach Landau gereist, um ihre deutschen Kollegen zu besuchen und sich mit ihnen auszutauschen. „Gerade in der Bildung können wir viel voneinander lernen. Es ist wichtig, aufeinander zuzugehen und den persönlichen Kontakt zu etablieren und zu halten“, betonte Josef Wimmer, Direktor der Landauer Realschule. Der Austausch bietet allen Beteiligten die wechselseitige Möglichkeit, Einblicke in den Unterricht anderer Nationen zu erlangen.

„In Deutschland wird sehr schülerorientiert unterrichtet. Es gibt viele Gruppenarbeiten und angeregte Diskussionen. Und: die Schüler arbeiten sehr konzentriert“, bemerkte Tarja Seppälä-Pänkäläinen, Rektorin der Säynätsalon yhtenäi – Schule in Jyväskylä, nach den Unterrichtsbesuchen in den verschiedenen Klassen. Mit ihren Kolleginnen Elina Viitanen und Niina Honkala übernahm sie anschließend selbst eine Unterrichtsstunde und berichtete – selbstverständlich in englischer Sprache – den Schülern der neunten Jahrgangsstufe ausführlich über ihre Heimat-Bildungsstätte: Mit Hilfe von zahlreichen Fotos und Graphiken wurde der dortige Schulalltag veranschaulicht. Beim Vergleich der Schulsysteme bemerkte Tarja Seppälä-Pänkäläinen, dass in Deutschland die Wahl der weiterführenden Schulart sehr früh erfolge. Denn: alle finnischen Schüler werden bis zur zehnten Jahrgangsstufe gemeinsam unterrichtet. Der Unterricht findet ganztags statt und jedes Schulkind erhält deshalb ein kostenloses Mittagessen in der Mensa.

Befragt nach ihren abschließenden Erfahrungen, geraten die finnischen Kolleginnen ins Schwärmen: Sie sprechen von disziplinierten und höflichen Schülern, aber auch davon, dass sie im Kreis der Landauer Kollegen sehr herzlich und offen aufgenommen wurden. Außerdem zeigten sie sich begeistert von den angenehmen Rahmenbedingungen an der Realschule: die schönen, ansprechenden Gebäude, der heimelige Pausenhof, die umfangreiche Ausstattung und das „sehr gute Essen" in der schuleigenen Mensa. Um den ausländischen Kolleginnen einen weiteren Einblick in die deutsche Schullandschaft zu ermöglichen hatte die Koordinatorin des „Erasmus plus Projektes“, Andrea Gallersdörfer, zudem einen Besuch in der nahegelegenen Montessori-Schule Landau sowie die Besichtigung des neu erbauten Gymnasiums in Ergolding organisiert. In beiden Fällen wurden die finnischen Kolleginnen in vorbildlicher Weise aufgenommen und betreut.

Die neu begonnene Partnerschaft soll jedoch nicht im Sande verlaufen. So wird unter anderem ein Gegenbesuch nach Jyväskylä in Erwägung gezogen – im kommenden Jahr wollen einige Landauer Lehrkräfte die Reise nach Finnland antreten. Denn: Der enge Austausch zwischen den Schulen ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Zusammenarbeit, die erheblich zum europäischen Verständnis und dem Wissen um die große Vielfalt Europas beiträgt.





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