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Murnauer Realschule setzt Zeichen für Menschenrechte

Der Platz rund um die Murnauer Mariensäule war voll. Übervoll. Dazu Sprechchöre von allen Seiten, bunte Plakate und 500 Schülerinnen und Schüler der Realschule im Blauen Land. Am Freitag, den 12. Oktober 2018, erlebte der Markt seinen ersten Jugendaufmarsch und die vielleicht größte Demonstration seiner jüngeren Geschichte. Zumindest konnte sich Bürgermeister Rolf Beuting, der die Demonstration an vorderster Front begleitete, nicht an eine größere Veranstaltung dieser Art erinnern.

Was war aber passiert? Mitte September hatten Schülerinnen und Schüler im Rahmen der langen Nacht der Demokratie öffentliche Bänke im Markt Murnau gestaltet, indem sie Passagen aus der Menschenrechtskonvention einbrannten. Die Bänke wurden der Marktgemeinde feierlich übergeben. Nur einen Monat später hatten Unbekannte fünf der sieben Sitzgelegenheiten besprüht und beschmiert. Die in die Latten eingebrannten Zitate aus der Menschenrechtskonvention sind seitdem nur mehr schwer oder gar nicht zu lesen. Ob die Aktion nur ein dummer Lausbubenstreich war oder eine politisch motivierte Tat, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Polizei ermittelt.

Möglichst zeitnah wollten die Schülerinnen und Schüler ein Zeichen setzen. Direktor Ralf Havelka meldete bei den Behörden schließlich eine offizielle Demonstration für den 12. Oktober an, wobei die Teilnahme freiwillig war. Wer nicht wollte, musste nicht zur Mariensäule marschieren. Am Ende entschieden sich 500 der 650 Schülerinnen und Schüler für eine Teilnahme. Ein starkes Zeichen für die Menschenrechte und auch für die Demokratie. Während des Zuges gesellte sich noch spontan eine Grundschulklasse dazu. An der Mariensäule gab es kurze Ansprachen von Bürgermeister Beuting, Havelka, Geschichtslehrerin Kathrin Zuber, Schriftsteller Jörg Steinleitner und Inga Grüttner vom Werdenfelser Bündnis gegen Rechtsextremismus. Zudem wurden am „Tatort“ selbst alle Menschenrechtsartikel von Schülerinnen und Schülern vorgelesen. Der Tenor aller Beiträge: Die Menschenrechte sind nicht verhandelbar. „Das war eine wunderbare Aktion. Etwas Besseres kann die Schule zu Themen Demokratie und Willensbildung nicht machen“, resümierte Havelka. Es sei im Prinzip Unterricht im Freien gewesen.





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