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Neue „Kollegin“ an der Hans-Maier-Realschule: Das Projekt „Schulhund“ beginnt

An der Hans-Maier-Realschule in Ichenhausen wird es ab September eine neue, ganz und gar nicht gewöhnliche „Pädagogin“ geben: Die Schulhündin Nina, eine derzeit 7 Monate alte Dalmatinerdame, wird ihre Arbeit aufnehmen – und das wirft natürlich einige Fragen auf. Die Schulpsychologin Sandra Kleiter, die das Tier auch privat trainiert und beherbergt, stand gerne Rede und Antwort.

Wie entstand die Idee, einen Schulhund anzuschaffen und diesen auch im Unterricht einzusetzen?

Als Schulpsychologin und Hundeliebhaberin interessiere ich mich eigentlich schon immer für die so genannte tiergestützte Pädagogik. Hinzu kam ein persönliches Erlebnis: Vor einigen Jahren war ich als Begleitperson mit den Fünftklässlern im Schullandheim und mir fiel ein extrem zurückhaltendes, kaum zugängliches Kind auf. Als mein damaliger Hund Paula zu Besuch war, taute dieses Mädchen spürbar auf, spielte mit dem Tier, fasste Zutrauen und das Eis war gebrochen.

Welche Erfolge versprechen Sie sich vom Einsatz eines solchen Schulhundes?

Es ist erwiesen, dass gerade bei den jüngeren Schülern die Konzentrationsfähigkeit zunimmt und der Lärmpegel ab. Außerdem steigt die Motivation, weil sich die Kinder plötzlich auf den Unterricht freuen und es ist eine positivere Einstellung gegenüber eher Angst machenden Fächern wie Mathematik erkennbar. Hinzu kommt, dass die Schüler etwas fürs Leben lernen, z.B. wie man mit einem Hund umgeht, wie man seine eigene Angst vor einem solchen Tier in den Griff bekommen kann, wie sie deutlich kommunizieren (auch körpersprachlich), damit Nina weiß, was von ihr erwartet wird. Schon unsere kleinen Schüler lernen es frühzeitig, Verantwortung zu übernehmen und Rücksicht zu üben – das Empathievermögen wird also deutlich geschult. Bedeutsam ist auch die Tatsache, dass Außenseiter problemlos in die Gruppe integriert werden können, da Hunde keine Unterschiede zwischen den Kindern machen.

Wieviel Zeit wird Nina in der Schule verbringen und wo wird sie sich vormittags vor allem aufhalten?

Derzeit befindet sich Nina in der so genannten Gewöhnungsphase, d.h. ich komme jeden Mittwoch mit ihr an die Schule, damit sie sich an das Gebäude und die vielen Schüler gewöhnt. Schon sehr früh hatte das Tier regen Kontakt zu vielen Menschen, darunter auch einige Kinder. Meine beiden Söhne wachsen ja sogar mit der Dalmatinerdame auf. Ab September wird Nina an drei Tagen in der Woche mit mir an der Schule sein, wobei sie maximal fünf bis acht Schulstunden begleiten wird, genauer gesagt meinen Mathematikunterricht. Vor dem Unterricht werde ich selbst mit ihr Gassi gehen und sie hat einen eigenen Platz, den sie bereits kennen gelernt und akzeptiert hat, in meinem Büro. Dort kann sie jederzeit Entspannung finden, was für die Tiergesundheit vor allem in jungen Jahren äußerst wichtig ist.

Gibt es eine spezielle Ausbildung für einen Schulhund?

Schon als Welpe besuchte Nina die Welpenschule von Martin Rütter in Ulm / Neu-Ulm und nach wie vor diejenige in Burgau. Außerdem absolvierte sie die Junghundeschule Ulm und erst vergangenen Samstag haben wir gemeinsam das Seminar „Körpersprache und Kommunikation beim Hund“ (ebenfalls in der Rütter-Schule) besucht. Natürlich haben wir auch für die Zukunft einige Ziele: Sobald Nina 15 Monate alt ist, kann sie sich der Begleithundeprüfung unterziehen und sich im Anschluss daran zu einem echten Therapiehund ausbilden lassen. Bereits im August durchläuft Nina eine weitere schulhundspezifische Fortbildung in Malching. Nina wird also in ihrer Entwicklung engmaschig durch die Hundeschule überwacht und immer besser ausgebildet.

Was tun denn nun Eltern, deren Kinder eine Hundehaarallergie oder Angst vor diesen Tieren haben?

Zum Thema Allergie ist Folgendes zu sagen: Nina wird nur in einer unserer fünften Klassen zum Einsatz kommen, dort beginnt das Projekt. Natürlich kann jedes Kind frei wählen, ob es in die Klasse mit dem Schulhund gehen möchte oder lieber nicht. Schüler anderer Klassen und Jahrgangsstufen können fragen, ob Nina mit in den Unterricht kommen könnte, das wird jeweils individuell abgesprochen. Mit den Schülern, die Angst vor Hunden haben, würde ich gerne über diese Ängste sprechen, eine Annäherung an den Dalmatiner erfolgt nur sehr langsam und schrittweise. Es ist selbstverständlich, dass eher ängstliche Kinder durch mich von dem Hund abgeschirmt werden. Dies kann sehr leicht gelingen, da Nina bereits jetzt auf Handzeichen reagiert und im Klassenzimmer alle Kommandos beherrscht.

Welche Erfahrungswerte gibt es mit bereits eingesetzten Schulhunden?

Wer sich zu diesem Thema genauer informieren möchte, dem sei die Internetseite www.schulhundweb.de wärmstens ans Herz gelegt.

Wie können Sie garantieren, dass die Hygienemaßstäbe eingehalten werden?

Selbstverständlich gehe ich mit Nina regelmäßig zum Tierarzt, wo sie Zertifikate über verabreichte Impfungen und ihren Gesundheitszustand bekommt. Die Dalmatinerdame lebt bei mir und meiner Familie mit im Haus und wird dort natürlich auch regelmäßig gewaschen und gebadet. Auch dafür, dass Nina hochwertiges Futter bekommt, wird gesorgt.

Wie werden die Schüler über den Einsatz des Schulhundes informiert?

Zu Beginn des Schuljahres wird es eine Vollversammlung geben, in der die Regeln im Umgang mit dem Hund genau erläutert werden. Schon jetzt gibt es auf unserer Schulhomepage einen eigenen Blog, auf dem Sie einiges Wissenswertes über Nina nachlesen können. Außerdem wird sie beim Elternabend „Neu in 5“ mit dabei sein und auch am Tag der offenen Tür.





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